Der Dokumentarfilm „Ein Nobody gegen Putin“ feierte am Dienstag im Berliner Kant‑Kino seine Deutschlandpremiere. Der Film, der bereits mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, dokumentiert das Eindringen von Propaganda und militärischer Ausbildung in russische Klassenzimmer seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022.

Regisseur und zugleich Lehrer Pavel „Pascha“ Talankin aus dem Dorf Karabasch filmte heimlich das Geschehen in seiner eigenen Schule. Obwohl die russische Regierung ihn beauftragte, den neuen „patriotischen“ Schulalltag zu dokumentieren und die Aufnahmen auf einer staatlichen Plattform zu veröffentlichen, setzte er die Aufnahmen verdeckt fort, weil er nicht zum Spielball des Regimes werden wollte.

Der Film zeigt, wie die Schule allmählich zu einer militärischen Ausbildungsstätte wurde: Jungen marschieren durch die Flure, Soldaten bringen Minen in die Klassenräume, Kinder halten Gewehre und üben das Zielen, und bei einem Wettbewerb werfen Schüler Granatenattrappen auf Ziele – ein makabrer Parallel zu den Bundesjugendspielen.

Nach der Vorführung in Berlin erzählte Talankin dem Publikum, dass der russische Geheimdienst Lehrer und Schüler zusammengerufen habe und ihnen befohlen habe, das Gesehene zu vergessen: „Merkt euch: Das hat alles nie stattgefunden. Löscht das alles aus eurem Gedächtnis.“

Nachdem der Film den Oscar gewonnen hatte, wurde er in Russland verboten; offizielle Stellen erklärten, er dürfe weder gezeigt noch angesehen werden. Talankin selbst lebt inzwischen im Exil und reist mit dem Film durch Europa, während seine Mutter in Karabasch weiter an der Schule arbeitet und dort Bücher repariert.

Talankins ehemalige Schüler erreichen inzwischen das wehrpflichtige Alter, sodass er mit ansehen muss, wie junge Männer, die einst in seinem Klassenzimmer saßen, nun zum Militär eingezogen werden.