Der bundesweite Tagesdurchschnitt für Diesel lag am Mittwoch nach ADAC-Zahlen um 0,6 Cent über dem bisherigen Rekord aus dem April. E10 erreichte mit 2,314 Euro je Liter bereits den fünften Höchststand in Folge. Inflationsbereinigt waren Kraftstoffe in früheren Jahren allerdings schon teurer.

Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar haben sich die Preise deutlich erhöht. Diesel kostet knapp 71 Cent mehr als am letzten Tag vor Kriegsausbruch, E10 knapp 54 Cent. Seit Ende August hat sich der Anstieg erneut verstärkt.

Eine Beispielrechnung verdeutlicht die Belastung: Bei einem Benziner mit 800 Kilometern monatlicher Fahrleistung und acht Litern Verbrauch auf 100 Kilometer ergeben sich rund 34 Euro Mehrkosten im Monat. Für ein Dieselfahrzeug mit 1.400 Kilometern und sieben Litern Verbrauch sind es rund 69 Euro.

Neben dem Rohölpreis beeinflussen Transport- und Raffineriekapazitäten die Kosten. Regional, nach Tankstellentyp und im Tagesverlauf bestehen erhebliche Unterschiede. Die bundesweiten Durchschnittswerte bilden deshalb nicht den Preis jeder einzelnen Tankstelle ab.

Der Spediteursverband BGL hat sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gewandt. Vorstandssprecher Dirk Engelhardt warnte, dass viele mittelständische Betriebe die zusätzlichen Kosten nicht oder nur teilweise an ihre Auftraggeber weiterreichen könnten.

Eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe, wie von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vorgeschlagen, hält der Verband für Unternehmen mit Vorsteuerabzug nicht für eine unmittelbare Entlastung. Stattdessen fordert er Änderungen an der Belastung durch nationalen Emissionshandel und CO2-Aufschlag auf die Lkw-Maut.

Außerdem verlangt der BGL einen Gewerbediesel nach dem Vorbild anderer EU-Staaten, bei dem die Energiesteuer für gewerblich eingesetzten Diesel auf das europäische Mindestniveau sinkt.

Auch Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert eine Senkung der Energie- oder CO2-Steuer auf Diesel. Für regelbesteuerte Betriebe sei die Mehrwertsteuer lediglich ein durchlaufender Posten. Über neue Hilfen wird in Union und SPD diskutiert; eine Einigung auf konkrete Maßnahmen steht aus.