Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp präsentierte in Frankfurt einen 44‑köpfigen Kader für seine ersten Einsätze mit der A‑Nationalelf, doch der in Belgien spielende Stürmer Nicolò Tresoldi fehlt komplett. Damit stellt sich die Frage, ob der DFB um den jungen Mittelstürmer bereits zu spät kommt, während die italienische Fußballbehörde aktiv um seine Verpflichtung wirbt.
Als t‑online bei der Pressekonferenz nach dem Grund für das Fehlen des 22‑jährigen Talents fragte, griff DFB‑Pressesprecherin Franziska Wülle ein: Es gebe noch keine endgültige Entscheidung, und das Fehlen im Kader bedeute nicht, dass Tresoldi sich bereits für Deutschland entschieden habe – ebenso wenig wie für Italien. Kurz darauf ergänzte Klopp, dass es für einen jungen Spieler „wahnsinnig schwierig“ sei, zwischen zwei Nationalhymnen zu wählen, und dass der DFB keinen Druck ausüben wolle, sondern Perspektiven aufzeigen wolle.
Tresoldi, der seit seinem 13. Lebensjahr in Hannover lebt, durchlief die deutschen Jugendmannschaften von der U19 bis zur U21 und sammelte 24 Einsätze für die U21. Trotz seiner starken Leistungen in der belgischen Liga – in der Saison 2025/26 wurde er mit Club Brügge Meister und Torschützenkönig mit 19 Treffern – erhielt er bislang keinen Aufruf in die A‑Nationalmannschaft, obwohl er bereits vor der WM‑Sommerphase im Fokus stand.
Geboren in Italien, besitzt Tresoldi neben dem deutschen auch einen italienischen Pass und ist damit für beide Länder wahlberechtigt. Die italienische „Squadra Azzurra“ hat seit längerem versucht, den Stürmer zu gewinnen. Ende August berichtete die Gazzetta dello Sport von einer angeblichen Entscheidung für Italien, worauf deutsche Medien widersprachen und betonten, dass keine endgültige Wahl getroffen sei. Die Gazzetta zog die Meldung später zurück und erklärte, dass Tresoldi zwar kurzzeitig dem neuen italienischen Nationaltrainer Roberto Mancini zugesagt habe, dann aber wieder zurückgezogen sei, um zunächst weiter für die deutsche U21 zu spielen.
Im italienischen U21‑Kader unter Trainer Antonio Di Salvo ist Tresoldi bereits für die kommende Europameisterschaft 2027 in Albanien und Serbien eingeplant. Klopp betonte jedoch, dass alle drei Stürmer, die für die deutsche U21 nominiert sind, problemlos auch im Angriff der A‑Nationalmannschaft eingesetzt werden könnten – ein Hinweis darauf, dass Tresoldi bei einer späteren Entscheidung nicht außen vor bleiben würde.
Die aktuelle Situation wirft ein Schlaglicht auf das wachsende Konkurrenzverhalten zwischen den Fußballverbänden, wenn junge Talente mit doppelter Staatsbürgerschaft im Visier stehen. Während der DFB betont, dass er dem Spieler Zeit geben wolle, um eine reife Entscheidung zu treffen, könnte ein früher Wechsel zu Italien die langfristige Talentplanung des deutschen Fußballs beeinflussen.