Am 19. September 2026 präsentierte die Berliner AfD in Tegel ihre Spitzenkandidatin Kristin Brinker, 54, zum dritten Mal im Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus. Brinker, seit 2016 Abgeordnete und seit 2021 Landesvorsitzende, wirbt mit dem Parteiprogramm, das unter anderem eine Bevorzugung langjähriger Berliner bei kommunalen Wohnungen und eine stärkere Förderung des motorisierten Individualverkehrs vorsieht.
In der Fußgängerzone von Tegel, einem Stadtteil im Bezirk Reinickendorf, zeigte sich die AfD mit einem großen blauen Wahlplakat. Passanten äußerten gemischte Reaktionen: Während einige die Partei wegen ihrer Nähe zu Russland kritisieren, betonten andere, dass die AfD „unser Land retten“ könne. Brinker versuchte, die Diskussion von Bundes‑ auf Landes‑themen zu lenken und betonte, dass das Landesprogramm „eher eine untergeordnete Rolle“ spiele.
Ein Tag später zog die AfD mit Brinker zum Linden‑Center in Neu‑Hohenschönhausen, Lichtenberg, wo die Partei bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2023 mit 13,8 % deutlich über dem Berliner Gesamtdurchschnitt von 9,1 % lag. Dort wurde Brinker von einer Menschenmenge empfangen, die Fotos machte und Autogramme verlangte. Die Besucher forderten niedrigere Steuern und mehr Wohnraum.
Das aktuelle Wahlprogramm der Berliner AfD fordert, dass kommunale Wohnungen vorrangig an langjährige Berliner vergeben werden und bezeichnet Wohnungen ausdrücklich nicht als „Asylheime“. Im Verkehrsbereich wird der motorisierte Individualverkehr als „unverzichtbarer Bestandteil urbaner Mobilität“ bezeichnet, während Radverkehr auf Nebenstraßen verlagert werden soll.
Im Migrationsbereich hat die Partei ihre Position verschärft: Sie fordert einen sofortigen Aufnahmestopp für Asylbewerber in Berlin, ein Moratorium für Einbürgerungsverfahren und die Einrichtung eines „Landesamtes für Einwanderung, Asyl und Remigration“. Das Programm nennt die sofortige Abschiebung von bis zu 20 000 ausreisepflichtigen Personen aus Berlin.
Brinker weist Vorwürfe, die Partei sei nach rechts gerückt, zurück und erklärt, dass die AfD einfach das sagt, was sie für richtig hält. Sie warnt vor einer von den etablierten Parteien gebildeten „Volksfront“ und zieht einen historischen Vergleich zu den Ereignissen von 1989, obwohl eine Alleinregierung für die AfD nach aktuellem Stand unrealistisch bleibt.
Umfragen der ARD‑Vorauswahl zeigen, dass die AfD bei der kommenden Wahl bei etwa 18 % liegen könnte – ein signifikanter Anstieg gegenüber den 9,1 % im Jahr 2023. Trotz dieses Potenzials schließen die anderen im Landtag vertretenen Parteien (CDU, SPD, Grüne, Linke) jede Zusammenarbeit mit der AfD aus, sodass die Partei voraussichtlich keine Regierungsoption mehr haben wird.