Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister der SPD, stand am 18. September in Fort Worth, Texas, vor dem ersten deutschen F‑35A‑Kampfjet, den er nach einer halben Stunde feierlicher Show mit den Worten „Danke für die Gänsehaut“ entgegennahm. Der Jet ist das erste von insgesamt 35 Stück, die Deutschland von Lockheed Martin bestellt hat, um die veralteten Tornado‑Flugzeuge zu ersetzen und die NATO‑Abschreckung mit nuklearer Teilhabe zu stärken.

Der Besuch, der zuvor Stationen in Washington und New York umfasste, verdeutlichte ein neu erwachtes Interesse der USA an ihrem wichtigsten europäischen Bündnispartner. Neben der Übergabe traf sich Pistorius mit dem US‑Verteidigungsminister Pete Hegseth, um eine Absichtserklärung zu unterzeichnen, die die Zusammenarbeit bei der Produktion hochmoderner Rüstungsgüter vertiefen soll. Ziel sei, freie Kapazitäten in Deutschland für die Fertigung zu nutzen und gleichzeitig den Zugang zu fortschrittlichen Technologien zu sichern.

Die F‑35A gilt als das derzeit modernste Mehrzweckkampfflugzeug der Welt. Laut Pistorius überzeugen vor allem die Tarnkappentechnologie, die leistungsfähige Sensorik und die Fähigkeit, große Datenmengen zu verarbeiten und ein umfassendes Lagebild zu erzeugen. Der Jet wird von vielen NATO‑Verbündeten eingesetzt, was die Interoperabilität bei Wartung, Übungen und Einsätzen erleichtert.

Kritiker warnen jedoch vor einer hohen Wartungsintensität. Ein Bericht des US‑Rechnungshofs zeigte, dass die Einsatzbereitschaft der US‑F‑35‑Flotte im Vorjahr bei nur 28 % lag, während andere Flugzeugtypen über 60 % erreichten. Deutschland habe deshalb ein umfangreiches Wartungs‑ und Servicepaket mitbestellt, was den Stückpreis weiter in die Höhe trieb. Pistorius betont, dass die multinationale Struktur des Programms und die Produktion von Rumpfteilen in Deutschland, etwa im Werk Weeze, die Abhängigkeit von US‑Systemen mindern sollen.

Im Rahmen der neuen Kooperation bietet das deutsche Rüstungsunternehmen Rheinmetall an, künftig über 4 000 Schützenpanzer für das US‑Heer zu liefern. Gleichzeitig soll Deutschland seine eigenen Produktionskapazitäten für weitere hochmoderne Systeme ausbauen. Hegseth lobte Berlin dafür, dass das Land sich dem NATO‑Verteidigungsziel von 5 % des BIP annähert und eine Führungsrolle in Europa übernimmt – ein Wandel, den er nach der Ära Trump als „große Fortschritte“ bezeichnete.

Pistorius nutzte die Gelegenheit zudem, um seine Aktivitäten bei den Vereinten Nationen zu betonen, darunter Gespräche über Friedensmissionen und die mögliche Fortsetzung der UNIFIL‑Operation im Libanon. Trotz der angespannten globalen Lage wolle Deutschland nicht nur auf Aufrüstung setzen, sondern auch seine Rolle in internationalen Friedensbemühungen stärken.