Der 56‑jährige FIFA‑Chef Gianni Infantino reagierte auf anhaltende Kritik an seinem Führungsstil, indem er erstmals Gespräche über mögliche Reformen des Weltfußballverbands anbot. In einem an die Präsidenten der 211 Mitgliedsverbände und an die Mitglieder des FIFA‑Council gerichteten Schreiben, das der Deutschen Presse‑Agentur vorliegt, kündigte er eine unabhängige externe Untersuchung des aktuellen Governance‑Systems für große strategische Projekte an.

Infantino schlägt zudem vor, dass der FIFA‑Council eine direkte, strukturierte und zeitlich begrenzte Konsultation mit den Konföderationen, den Mitgliedsverbänden und relevanten Interessengruppen durchführt. Ziel sei, die Entscheidungsprozesse der FIFA zu stärken und die Rolle des Präsidenten in zukünftigen Großprojekten klarer zu definieren.

Gleichzeitig machte der Präsident deutlich, dass er die FIFA weiterhin führen will. In dem Brief betonte er: „Ich bleibe voll und ganz dazu verpflichtet, die FIFA zu führen … Ich bin zuversichtlich, was wir gemeinsam erreichen können.“ Ein Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 wird nicht erwähnt.

Der Vorschlag stößt jedoch auf Widerstand. UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin und DFB‑Chef Bernd Neuendorf, der ebenfalls im FIFA‑Council sitzt, haben sich klar gegen Infantino positioniert. Bisher hat die Opposition auf den Brief nicht reagiert, doch die UEFA und die CONCACAF verfolgen seit Wochen einen harten Kurs gegen den Präsidenten und haben sogar mit einem Strafantrag vor Schweizer Gerichten wegen geplanter WM‑Investoren‑Deals gedroht.

Infantino bat um Eingaben zu den Reformvorschlägen bis zur Sitzung des FIFA‑Rates am 15. Oktober. Dort könnten die eingereichten Ideen bereits berücksichtigt werden. Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Infantino wegen eines Vorstoßes zur Vermarktung der WM‑Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck steht.

Sollten die vorgeschlagenen Konsultationen und die externe Überprüfung umgesetzt werden, könnten sie das Machtgefüge innerhalb der FIFA nachhaltig verändern. Kritiker befürchten jedoch, dass die Maßnahmen nicht weit genug gehen, um die von UEFA und CONCACAF geforderte grundlegende Neuordnung der Führungsstrukturen zu erreichen.