Die Linke wurde bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl stärkste Kraft, und ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp könnte künftig die regierende Bürgermeisterin werden. Auf eine Frage zur Olympiabewerbung der Hauptstadt sagte Eralp, die Entscheidung sei „erledigt“, und fügte hinzu, dass die Berliner bei der Wahl offenbar gegen ein Olympisches Projekt gestimmt hätten.
Bob Hanning, 58‑jähriger Geschäftsführer des Handball‑Bundesligisten Füchse Berlin, reagierte darauf mit einer scharfen Verurteilung. Er bezeichnete Eralps Aussage als „unterirdisch“ und „rotzfrech“ und kritisierte, dass sie noch nicht regiere, aber bereits ein solches Statement abgebe. Hanning warf ihr zudem undemokratisches und unseriöses Verhalten vor, weil sie ein Gesprächsangebot des Kuratoriums für die Olympiabewerbung abgelehnt habe.
Eralp hatte die Olympiabewerbung bereits im Wahlkampf kritisiert. In ihrer jüngsten Äußerung betonte sie, dass die Entscheidung über die Bewerbung nicht mehr weiterverfolgt werde, weil die Wählerinnen und Wähler der Stadt offenbar kein Interesse an einer Olympiabelegung gezeigt hätten. Sie verwies darauf, dass diejenigen, die die Bewerbung vorantreiben, sich überlegen sollten, ob ein Zuschlag sinnvoll sei.
Die Berliner Bewerbung ist Teil eines gemeinsamen Vorhabens mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg‑Vorpommern, das um die Vergabe der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 konkurriert. Neben München und der Rhein‑Ruhr-Region stellt sich Berlin inzwischen als klarer Außenseiter dar, weil die DOSB‑Prüfer den anderen Kandidaten ein besseres Zeugnis ausgestellt haben. Der Deutsche Olympische Sportbund wird am kommenden Samstag in Baden‑Baden über die Vergabe entscheiden.
Hannings Kritik wirft zudem Fragen nach Eralps Eignung als Bürgermeisterin auf. Der Handball‑Chef äußerte Zweifel, ob eine Frau, die seiner Ansicht nach die Entwicklung des Landes „einfach so wegwische“, ein Bundesland regieren könne. Die Debatte um die Olympiabewerbung dürfte damit nicht nur sportpolitisch, sondern auch im Kontext der bevorstehenden Regierungsbildung in Berlin weiter an Brisanz gewinnen.