Nach Angaben des Investment Company Institute (ICI) verwalten US‑Geldmarktfonds Mitte September fast 8 Billionen Dollar, davon mehr als fünf Billionen von privaten Haushalten. Die größten Teilbestände – etwa 6,53 Billionen Dollar – entfallen auf Government Money Market Funds, die fast ausschließlich in US‑Staatsanleihen und gesicherte Repo‑Geschäfte investieren.
Ein hoher Anteil der Mittel stammt jedoch nicht von abwartenden Kleinanlegern, sondern von Unternehmen, Versicherungen und anderen institutionellen Investoren, die die Fonds zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung nutzen. Für diese Akteure geht es weniger um einen „Cash‑Parkplatz“ für einen künftigen Aktiencrash, sondern um ein renditestarkes, liquides Anlageinstrument.
Die jüngste Zunahme der Geldmarktfonds lässt sich zu einem großen Teil auf das Umfeld steigender US‑Leitzinsen zurückführen. Die Federal Reserve hat in einer 30‑jährigen Analyse gezeigt, dass Anleger Gelder aus Bankeinlagen in Geldmarktfonds umschichten, sobald deren Rendite gegenüber schlecht verzinsten Konten steigt. Während die Zinsen an den Märkten rasch ansteigen, passen Banken die Zinsweitergabe häufig langsamer an, was die Attraktivität der Fonds weiter erhöht.
Gleichzeitig erreicht die kreditfinanzierte Spekulation ein Rekordniveau: Die Margin‑Debt der US‑Anleger lag im August bei rund 1,45 Billionen Dollar – ein Plus von etwa 37 % gegenüber dem Vorjahr. Die Options Clearing Corporation meldete im selben Monat rund 1,44 Milliarden gehandelte Optionskontrakte, wobei das durchschnittliche tägliche Volumen 22,7 % über dem Vorjahresniveau liegt. Optionen ermöglichen es, mit geringem Kapitaleinsatz stark gehebelte Positionen einzugehen.
Die Kombination aus riesigen liquiden Beständen und gleichzeitig starkem Hebel wird von Analysten als „Barbell‑Muster“ bezeichnet: Auf der einen Seite parken Haushalte und Institutionen enorme Geldsummen in sicheren, gut verzinsten Geldmarktfonds; auf der anderen Seite nutzen Anleger die verfügbaren Mittel für aggressive, kreditfinanzierte Aktien- und Optionsgeschäfte.
Experten betonen, dass das Rekordvolumen der Geldmarktfonds kein automatisches Sicherheitsnetz für überbewertete Aktienmärkte darstellt. Zwar könnten Teile des „Cash‑Polsters“ im Falle eines Kursrückgangs in Aktien fließen, doch die gleichzeitige Zunahme von Margin‑Schulden und Optionsaktivität zeigt, dass hohe Liquidität und hohe Risikobereitschaft koexistieren können, ohne dass das eine das andere zwingend ausschließt.
Der Boom der Geldmarktfonds spiegelt damit vor allem veränderte Zinsbedingungen, ein gesteigertes Bedürfnis nach sicherer Liquidität und das Vertrauen institutioneller Investoren in kurzfristige Staats‑ und Geldmarktinstrumente wider – nicht ausschließlich die Erwartung eines bevorstehenden Börsencrashs.