Nach einem schwierigen Winter, in dem Verzögerungen bei den Crash‑Tests das FW48‑Projekt stark zurückwarfen und das Auto zu Saisonbeginn deutlich über dem von der FIA geforderten Mindestgewicht lag, hat das Team beschlossen, bis zum Baku‑GP zu warten, um eine fast schon "2.0‑Version" des Fahrzeugs zu starten.
Der Kern dieses Upgrades ist ein neues Chassis, das mit einem völlig anderen Verfahren zur Verarbeitung von großflächigen Carbon‑Faser‑Strukturen gebaut wurde – ein Verfahren, das seit etwa 15 Jahren nicht mehr eingesetzt wurde, wie Teamchef James Vowles in Madrid erklärte.
Nur sieben Personen aus der Designabteilung und zwölf aus der Produktion seien über den Richtungswechsel informiert, weil das Team das Vorgehen so lange wie möglich schützen wolle, betonte Vowles.
Laut Vowles sei das neue Bauteil bereits gefertigt, habe sämtliche Qualitäts‑ und Belastungstests bestanden und sei einsatzbereit. Es sei nicht nur leichter, sondern auch widerstandsfähiger als das Vorgängermodell.
Die Gewichtsreduktion ist für Williams von zentraler Bedeutung, da das Team zu Jahresbeginn wegen der Entwicklungsverzögerungen Kompromisse beim Chassis eingehen musste. Ziel sei nun, dieselbe Festigkeit mit weniger Carbon‑Faserschichten zu erreichen, um das Fahrzeuggewicht näher an das Reglement‑Limit zu bringen.
Vowles räumt jedoch ein, dass das neue Chassis allein das aerodynamische Defizit, das das Team seit Saisonbeginn belastet, nicht vollständig ausgleichen wird. Das übergeordnete Ziel bleibe, das Tabellenende zu verlassen und langfristig wieder nach oben zu blicken.
Die Umstellung auf neue Management‑Software, digitale Fertigungs‑Tools und aktualisierte CAD‑Plattformen kostet das Team schätzungsweise sechs bis acht Millionen Euro pro Jahr und bindet Ressourcen, die sonst in das Aerodynamik‑Programm geflossen wären.
Williams ist nicht das einzige Team, das im Zuge der neuen technischen Regelära Kurskorrekturen vornimmt: Aston Martin startete in Budapest bereits mit einem fast komplett überarbeiteten Boliden, während Haas kürzlich ein Update‑Paket brachte, das das Team wieder in die Top‑10 katapultierte.