Die reinen Baukosten betragen zum Abschluss etwa 800 Millionen Euro. Zusammen mit den Ausgaben für Interimsspielstätten und Zinszahlungen ergibt sich die deutlich höhere Gesamtsumme. Jahrelang hatten Kostensteigerungen und Verzögerungen die Debatte über das Kulturensemble bestimmt.
Burmester, der für die SPD regiert, bezeichnete das Projekt im WDR als planerische Fehlleistung. Als Konsequenz der hohen Ausgaben müssten Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleines Haus für die gesamte Stadt da sein. Das Angebot dürfe sich nicht auf einen kleinen Kreis von Abonnenten beschränken.
Auch der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen kritisiert die finanziellen Folgen. Bärbel Hildebrand verwies darauf, dass die gebundenen Kulturmittel anderen Bereichen hätten zugutekommen können, etwa Museumsprojekten, dem Tanz oder der freien Szene.
Für den Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles aus Oper und Schauspiel hatte sich die Initiative „Köln kann auch anders“ eingesetzt. Sie sammelte 2010 mehr als 50.000 Unterschriften gegen einen von der Stadt geplanten teilweisen Neubau. Ihr Vertreter Frank Deja kritisiert den Verlauf der Sanierung scharf, ist mit dem fertigen Ergebnis aber sehr zufrieden.
Zum Eröffnungswochenende organisiert die Stadt ein großes Fest auf dem Offenbachplatz. Den Abschluss am Sonntag übernimmt die kölsche Band Kasalla. Mit offenen Foyers soll das Haus auch jenseits einzelner Vorstellungen zugänglich sein. Ob diese Räume zu festen Treffpunkten für die Stadtöffentlichkeit werden, ist noch offen.
Nach dem „Rosenkavalier“ steht als nächste große Opernpremiere Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ auf dem Programm. Gezeigt wird eine Produktion, die bereits bei den Bregenzer Festspielen erfolgreich war. Offenbach ist zugleich der Namensgeber des Platzes, an dem die Bühnen stehen.
Intendant Hein Mulders, der die Oper seit 2022 leitet, setzt neben solchen Produktionen auf neue Werke. Mindestens eine Uraufführung pro Jahr gehöre zum Programm, sagte er dem WDR. Zeitgenössische Musik sei wichtig, damit Oper eine lebendige Kunst bleibe. Zugleich betonte er sein Interesse an der Barockoper und deren Bedeutung für die Geschichte der Kunstform.
Mulders beschreibt seinen Anspruch als große Oper für ein großes Publikum. Das sanierte Haus biete zudem andere Möglichkeiten als die Interimsspielstätte: Bei internationalen Koproduktionen könne Köln nun unter vergleichbaren Bedingungen mit Partnern arbeiten und sich stärker im internationalen Opernbetrieb behaupten.
Das Schauspiel unter Intendant Kay Voges versucht ebenfalls, neue Besuchergruppen zu erreichen. Ein mit EU-Mitteln geförderter Schwerpunkt verbindet dafür Theater und Journalismus. Stadtkonservator Thomas Werner hofft unterdessen, dass künftig stärker die architektonische Qualität des Ensembles als seine Kosten wahrgenommen wird.
Wie groß die Aufgabe der Publikumsgewinnung ist, zeigt eine Kölner Befragung aus dem Jahr 2018: Nur jeder Fünfte ging mindestens einmal jährlich in die Oper, zwei Drittel besuchten sie nie. Ob die Wiedereröffnung daran etwas ändert, wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.