Im Video, das vor dem Weißen Haus gedreht wurde, spricht Salazar den Präsidenten mit den Worten an: „Herr Präsident, einige Ihrer Maßnahmen gegen die Migration gehen zu weit.“ Sie warnt, dass viele Latino‑Wähler, die Trump 2024 gewählt haben, sich von seiner harten Linie betrogen fühlen.
Salazar, die seit 2021 den Kongressbezirk Miami‑Dade vertritt – ein Gebiet, das das Viertel Little Havana und eine stark gemischte lateinamerikanische Bevölkerung umfasst – hat sich bislang immer linientreu für die republikanische Agenda eingesetzt, unter anderem für das umstrittene „Big Beautiful Bill“, das die Ausgaben für die Einwanderungsbehörde ICE stark erhöht hat.
Trotz ihrer bisherigen Loyalität gegenüber Trump unterstützte die ehemalige Telemundo‑Journalistin ihn im August bei den Vorwahlen, weil sie auf die Unterstützung der hispanischen Wählerbasis angewiesen ist. Gleichzeitig hat sie 2023 den „Dignity Act“ initiiert, ein Reformvorschlag, der illegalen Einwanderern eine Arbeitserlaubnis ermöglichen soll.
Der Schritt, Trumps Politik öffentlich zu kritisieren, ist für eine Republikanerin ungewöhnlich, da Parteimitglieder, die sich gegen den Präsidenten stellen, häufig mit harten Sanktionen rechnen. Salazar selbst räumt ein, dass ihr Appell das Ziel habe, ihre Wiederwahlchancen zu sichern, da die Einwanderungsdurchsetzung in Miami‑Dade stark zugenommen hat.
Die harten Durchsetzungen von ICE haben lokale Unternehmen hart getroffen: Kleinunternehmer in Miami berichteten, dass ihr Umsatz wegen massiver Razzien um bis zu 70 % zurückgegangen sei. Im Juli wurden in Florida über 130 000 Einwanderungsfälle eingereicht – ein landesweiter Rekord – und mehr als 65 000 Menschen befanden sich in Abschiebungshaft.
Umfragen zeigen, dass über 60 % der Latino‑Wähler die Abschiebung illegaler Einwanderer unterstützen, jedoch nur 29 % mit der Art und Weise einverstanden sind, wie die Politik umgesetzt wird. Laut einer Hart‑Research‑Umfrage ist die Unterstützung der Latinos für die Republikaner von fast 50 % im Jahr 2024 auf rund 35 % gesunken, während die Demokraten an Zuspruch gewinnen.
Politische Analysten warnen, dass die wachsende Unzufriedenheit der Latino‑Wähler die republikanischen Chancen bei den Zwischenwahlen am 3. November beeinträchtigen könnte, insbesondere in Staaten mit hohen Latino‑Anteilen wie Texas. Experten wie Mike Madrid von der Hispanic Voter Project bezeichnen die aktuellen Umfragewerte für die Republikaner als „apokalyptisch“.