In einer Stellungnahme, die er nach einer Anfrage der Deutschen Presse-Agentur abgab, bezeichnete Neuendorf das Angebot von Infantino, die 211 FIFA‑Mitgliedsverbände zu Reformen einzuladen, als „durchschaubares Manöver“ und erklärte, es gehe dem Schweizer Präsidenten einzig um die Sicherung seiner Wiederwahl im kommenden Jahr.
Der DFB-Chef fügte hinzu, dass Infantino „definitiv nicht die richtige Person sei, um einen Reformprozess zu moderieren“, weil er seiner Ansicht nach jegliche Glaubwürdigkeit verspielt habe.
Im gleichen Schreiben kündigte Infantino jedoch eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA‑Governance sowie Konsultationen zur Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschließlich einer Neubewertung der Rolle des Präsidenten. Gleichzeitig machte er klar, dass er die FIFA weiterhin führen und für eine vierte Amtszeit im März 2027 kandidieren wolle.
Infantino reagierte damit auf anhaltende Kritik an seinem Führungsstil, die von Verbänden in Europa und Nord‑ sowie Mittelamerika laut geworden ist. UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin und andere Kritiker fordern bereits seinen Rücktritt, doch bislang wurde kein Gegenkandidat benannt.
Die Debatte wird in den kommenden Wochen weiter eskalieren: Am 8. Oktober findet in Berlin ein Treffen aller 55 UEFA‑Mitgliedsverbände statt, während am 15. Oktober das FIFA‑Council‑Meeting in Zürich ansteht, bei dem Infantino seine Reformvorschläge vorstellen will.
Der Konflikt hat bereits juristische Dimensionen angenommen: Ende August wurde ein Strafantrag gegen Infantino vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM‑Investorenplänen angedroht, und US‑Gerichte wurden um Auskünfte zu den geplanten Geschäften gebeten.