Der Vorfall ereignete sich bereits am Sonntag, 6. September, am Gate des Air-Baltic-Flugs BT 830, der um 22.05 Uhr in Richtung der estnischen Hauptstadt Tallinn starten sollte. Beim Boarding bemerkte ein Swissport-Mitarbeiter, dass ein Fluggast stark alkoholisiert war, und entschied, dass der Mann nicht mitfliegen darf. Daraufhin eskalierte die Situation: Der Passagier begann, mit Fäusten auf den Mitarbeiter einzuschlagen. Ein weiterer Mann soll gleichzeitig Menschen davon abgehalten haben, dem Angegriffenen zu helfen.
Die Schwere der Attacke zeigte sich später im Krankenhaus. Der Mitarbeiter erlitt unter anderem einen Jochbeinbruch und weitere Knochenbrüche. Sein Augenlicht konnten die Ärzte retten. Der Mann musste zunächst in der Klinik bleiben. Ein inzwischen bekannt gewordenes Überwachungsvideo zeigt, wie der Angreifer immer wieder auf sein Opfer einschlug, auch als dieses bereits am Boden lag. Mehrere Passagiere und Mitarbeiterinnen versuchten einzugreifen. Schließlich gelang es Reisenden, den Angreifer festzuhalten.
Die Flughafengesellschaft bestätigte den Angriff. Wartende Reisende und eine Mitarbeiterin hätten den Mann bis zum Eintreffen von Bundespolizei und Flughafensicherheit festgehalten. Die Bundespolizei nahm den Passagier anschließend in Gewahrsam. Die weiteren Ermittlungen führt die Polizei des Landes Brandenburg.
Für die Gewerkschaft Verdi ist die Attacke kein isoliertes Problem. Verdi-Sekretär Enrico Rümker sagte, Angriffe auf Personal am BER seien längst keine Einzelfälle mehr: „Wir erleben immer mehr Übergriffe, immer mehr Gewalt.“ Allein Swissport habe in diesem Jahr bislang fast 200 verbale und körperliche Attacken auf Beschäftigte am BER registriert. Swissport ist nur eines von drei Unternehmen am Hauptstadtflughafen, die unter anderem Fluggäste einchecken, das Boarding überwachen und Gepäck verladen.
Verdi kritisiert zugleich, dass beim Sicherheitspersonal gespart werde und dadurch wertvolle Zeit verloren gehen könne. Der Flughafenbetreiber widerspricht dieser Darstellung. Tätliche Angriffe auf Beschäftigte seien „nach wie vor sehr seltene Einzelfälle“. Der BER erfülle die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen zur Personalausstattung für die Sicherheit sogar über.
Für den schwer verletzten Swissport-Mitarbeiter bleibt die Attacke dennoch bittere Realität. Noch Tage später waren seine Knochenbrüche nicht verheilt.