Der Rundgang gehört zum wawa-Festival des Vereins Kabawil, das noch bis Sonntag läuft. Begleitet wurde die Gruppe von Alexander Wezel, Baum-Experte der Stadt. Er beantwortete Fragen zu den Straßenbäumen und erläuterte, wie neue Pflanzprojekte das Mikroklima in Düsseldorf verbessern sollen.
Ausgangspunkt war Düsseldorfs erster Pocket-Park an der Albertstraße. Für das kleine Wäldchen wurde ein ehemaliger Parkplatz entsiegelt. Ein Weg mit Sitzgelegenheiten führt zwischen den dicht in Reihen gepflanzten Bäumen hindurch. Anders als sogenannte Tiny Forests, auf engstem Raum angelegte Mini-Wälder, sind Pocket-Parks begehbar. Die Anlage an der Albertstraße soll den Anfang einer Reihe solcher Projekte auf Brachflächen im Stadtgebiet bilden.
Warum die 30 Bäume des Mischwäldchens so eng beieinanderstehen, wollte eine Teilnehmerin wissen. Wezel erklärte, die Hoffnung sei, dass sie sich dadurch gegenseitig zum Wachstum anregen und so schneller die CO₂-Bilanz verbessern. Beide Formen der kleinen Stadtwälder sollen zugleich dem Mikroklima in ihrer Umgebung zugutekommen.
Der Experte sprach auch über Baumarten, denen der Klimawandel zusetzt. Birken seien wegen ihrer Empfindlichkeit kaum noch an Straßen zu finden. Robinien müssten immer häufiger gefällt werden, weil sie zu Stammfäule neigten. Dabei könnten sie äußerlich gesund wirken, während der Stamm im Inneren bereits faule und der Baum seine Standfestigkeit verliere.
Am Platz der Diakonie verband sich die Baumkunde mit einer Tanzperformance: Mariane Verbecq bewegte sich zwischen einem Ginkgo und einem Schnurbaum. Das Publikum erfuhr dabei auch von der besonderen Widerstandskraft des Ginkgos. Als Beispiel diente die Geschichte japanischer Ginkgos, die die Atombombenexplosion in Hiroshima schwer beschädigt überlebten und nach dem Brand wieder austrieben. In Japan wurden sie zu Symbolen der Hoffnung und des Friedens.
An der Ecke Birken- und Wetterstraße widmete Yibor Kojo Yibor einem Eisenholzbaum einen Gedichtvortrag über den Klimawandel und das menschliche Miteinander. Die Darbietungen erreichten dabei nicht nur die Teilnehmenden des Rundgangs: Passanten wurden aufmerksam, gingen verwundert vorbei oder blieben neugierig stehen.
Auf dem Hermannplatz wartete statt einer Performance ein großes, buntes Banner. Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse der Montessori-Gesamtschule hatten dafür einzelne Blätter gestaltet und zu einer Collage zusammengefügt. Mit ihrer Arbeit wollten sie die Vernetzung in der Natur sichtbar machen, Vielfalt zeigen und eigene kreative Ideen einbringen.
Kabawil wurde 2003 als gemeinnütziger Verein in Flingern gegründet. Das internationale Team vermittelt Tanz, Musik, Theater, Gestaltung, Fotografie und kreatives Schreiben. Hinzu kommen individuelle Angebote der kulturellen Bildung für Schulen sowie offene Angebote für Kinder und Jugendliche. Die Räume im Hinterhof der Flurstraße 11 sind Ausgangspunkt eines wachsenden Netzwerks im Stadtteil.
Zum Festivalabschluss ist am Samstag, 19. September, ab 13 Uhr ein Nachbarschaftstag im Kabawil-Zentrum an der Flurstraße 11 geplant. Am Sonntag beginnt dort um 12 Uhr eine Matinee, unter anderem mit einem Cello-Konzert, Vinyl-Predigten von Haru Specks und einer Samen-Tauschbörse. Der Eintritt ist frei.