Wilhelm Bier erhielt den Auftrag, in Wehrden eine eigene Rotkreuz-Gruppe aufzubauen. Was mit ihm und seinen Kameraden begann, entwickelte sich nach Angaben des Ortsvereins zu einer starken Gemeinschaft. Schon in den ersten Jahren nach der Gründung waren die Wehrdener Helfer bei schweren Unglücken im Einsatz, unter anderem bei der Hochofenkatastrophe im Januar 1928 und bei den Schlagwetterunglücken im französischen Petite-Rosselle 1929.

Die Mitgliederzahlen haben sich über die Jahrzehnte stark verändert. In den 50er-Jahren hatte der Ortsverein Wehrden 430 Mitglieder, davon 60 aktive Helfer, berichtet Schriftführerin Iris Urschel, die den Rückblick beim Festakt im Oktober übernehmen wird. Heute sind es 75 fördernde und 12 aktive Mitglieder. Der Vergleich zur heutigen Zeit zeige einen Trend, der viele Hilfsorganisationen betrifft. Vor fünf Jahren sei die aktive Gruppe sogar noch kleiner gewesen: Nur der Vorsitzende Friedrich Adams, Alexa Paul und Iris Urschel hätten den Verein getragen. Inzwischen habe man wieder Zulauf bekommen, auch von Mitgliedern, die den Ortsverein gewechselt hätten, weil sie es in Wehrden schöner fanden. Trotz der geringeren Zahl an Helfern sei die Einheit lebendig und stark, betont Urschel. Eine sehr gute Kameradschaft halte den Ortsverein seit Jahren zusammen.

Die Geschichte des Ortsvereins ist eng mit großen Ereignissen der vergangenen 100 Jahre verbunden. 1990 unterstützten die Wehrdener Helfer gemeinsam mit anderen Ortsvereinen die Betreuung von Bürgern aus der ehemaligen DDR mit mehr als 25.000 Helferstunden. An zwei Standorten waren die Rotkreuzler sechs Monate lang rund um die Uhr im Einsatz. 2014 beteiligte sich der Ortsverein an der Betreuung minderjähriger Flüchtlinge aus Eritrea, die in einer Turnhalle in Köllerbach untergebracht waren, mit 2250 Helferstunden. Auch bei der Flutkatastrophe im Ahrtal und bei den Hochwassern im Saarland waren Wehrdener Helfer im Einsatz.

Hilfe musste dabei nicht immer bedeuten, selbst am Einsatzort zu stehen. 1990 wurden Kinderbetten sowie Baby- und Kinderbekleidung für Familien aus der ehemaligen DDR organisiert. Für die Flüchtlingskinder aus Eritrea wurden Rucksäcke beschafft. Nach der Flut im Ahrtal konnte das DRK Wehrden unter anderem 100 Paar Arbeitshandschuhe, Arbeitshosen und Gummistiefel zur Verfügung stellen. Eine betroffene Familie erhielt zudem eine Geldspende. Vieles davon entstand über persönliche Kontakte und private Hilfsbereitschaft. Auch ausgemustertes Material kann noch einen wichtigen Zweck erfüllen: Verbandsmaterial, das nach deutschen Vorschriften nicht mehr für eigene Einsätze verwendet werden darf, wurde 2007 an Tierschutzorganisationen in Griechenland weitergegeben, die nach schweren Waldbränden verletzte Tiere versorgten. Heute findet entsprechendes Material auch in der Ukraine Verwendung. Hilfe hat viele Formen, lautet deshalb das Fazit des Ortsvereins.

Die Beständigkeit des Vereins zeigt sich auch bei seinen Vorsitzenden. In 100 Jahren gab es lediglich fünf erste Vorsitzende. Auf Wilhelm Bier folgten Alois Weber und später Josef Richner. Heute steht Friedrich Adams an der Spitze des Ortsvereins. 1990 musste das eigene Jugendrotkreuz abgemeldet werden, weil es an Nachwuchs mangelte. Trotz der deutlich kleineren aktiven Gruppe ist der Terminkalender gut gefüllt. Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag sei immer wichtig gewesen, betont Urschel. Hinzugekommen sind unter anderem der nächtliche Faasendumzug der Rosselanos und die Blutspendetermine in der Wehrdener Kulturhalle, die fünfmal im Jahr stattfinden. Die Wehrdener Helfer übernehmen außerdem Sanitätsdienste bei Großveranstaltungen, darunter Spiele des 1. FC Saarbrücken, die Special Olympics, das Saarfest in Völklingen, das Saarspektakel und Veranstaltungen im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Viele dieser Einsätze sind heute nur noch gemeinsam mit anderen Ortsvereinen zu bewältigen. Die Zeiten, in denen eine einzelne Einheit ausreichend Personal für große Veranstaltungen stellen konnte, sind nach den Worten von Iris Urschel vorbei. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit innerhalb des Roten Kreuzes. Der Ortsverein freut sich auf die Feier im Oktober, an der viele befreundete Ortsvereine teilnehmen werden.