Peter de Caluwe wird die Salzburger Festspiele leiten. Ursprünglich waren andere Namen für die Nachfolge von Markus Hinterhäuser im Gespräch, darunter Barrie Kosky aus Berlin. Eine sorgfältige Analyse der Bedürfnisse des Festivals führte jedoch dazu, dass man an Caluwe kaum vorbeikam.
Der Literatur- und Theaterwissenschaftler, der in Gent, Brüssel und Antwerpen studierte, ist seit 40 Jahren in der Opernwelt tätig. Seine Karriere begann vor vier Jahrzehnten, als er als junger Dramaturg ans Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel kam. Intendant Gerard Mortier holte ihn an das Haus, und Caluwe wurde zu dessen engstem Vertrauten.
Caluwe kennt die Oper bestens und liebt das Genre. Die Verbindung zu Salzburg ist dabei vorzüglich, da Mortier selbst von 1991 bis 2001 Intendant in Salzburg war. Wie Mortier stammt Caluwe aus der franko-flämischen Region, aus der in der Musikgeschichte, etwa durch die Vokalpolyphonie des Mittelalters, oft die besten Ideen kamen.
Nach seinen Jahren in Brüssel übernahm Caluwe größere Aufgaben an der Brüsseler Oper und ging 1989 nach Amsterdam, wo er Betriebsdirektor wurde. Seit 1998 zeichnete er gemeinsam mit Pierre Audi für die künstlerische Ausrichtung der Nederlandse Opera verantwortlich. Seit 2007 ist er Generaldirektor und Intendant des Théâtre Royal de la Monnaie, eine Entscheidung, die als fast zwangsläufig galt, da er das Haus bestens kannte.
Aktuell ist Caluwe Geschäftsführer des Europäischen Kulturhauptstadtjahres 2030 im belgischen Löwen. Er gilt nicht als Intendant, der sich Regieaufgaben aufhalst, sondern wirkt leise im Maschinenraum. Er ist verbindlich, zugewandt und vernetzt. Gespräche mit ihm gehen weit über Smalltalk hinaus; er interessiert sich für Gedanken, Ästhetik und Stimmen.
Für Salzburg bringt Caluwe optimale Voraussetzungen mit, da dort herkulische Aufgaben auf ihn zukommen. Die Kulturpolitik in Österreich ist traditionell ein vermintes Gelände. Bald beginnt die Sanierung des Großen Festspielhauses und dessen Erweiterung. Ab Herbst 2028 wird das Haus komplett geschlossen und soll zu den Festspielen 2030 wieder eröffnet werden.